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Industrieverband Hartschaum e.V.
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FAQ: Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Dämmen mit Styropor

Ein Thema wird der Öffentlichkeit immer wieder aufgedrängt: Sinn und Zweck von Wärmedämmung. Die Palette reicht von „gefährlichen Brandfallen“, „verschandelten Fassaden“, „verschleudertes Geld ohne Nutzen“, „Zerstörung der Architektur“ und „Milliardengewinne der Industrie im Schulterschluss mit Politik und Wissenschaft“.
 
  1. „gefährliche Brandfallen“: Fachgerecht verarbeitete und den Zulassungen entsprechende WDVS mit EPS sind brandschutztechnisch sicher.
  2. „verschandelte Fassaden“: Im Regelfall wird die Fassade verschönert, für Sonderfälle gibt es für außen z.B. die Bossenplattenlösung, für innen die Innendämmung.
  3. „verschleudertes Geld ohne Nutzen“: Energiekosten werden eingespart, Wohnbehaglichkeit nimmt zu, das Bauwerk wird geschützt, der Wert des Gebäudes erhöht, knappe Ressourcen eingespart, Arbeitsplätze in Handwerksberufen geschaffen und CO2 eingespart.
  4. „Milliardengewinne der Industrie im Schulterschluss mit Politik und Wissenschaft“: Es gibt keine Milliardengewinne. Politiker jeglicher Couleur haben sich bereits mit der ersten Wärmschutzverordnung 1977 und allen folgenden für mehr Wärmedämmung engagiert, unterstützt durch den Gros der Bauphysiker.
     

FAQ: Ist Steigerung der Energieeffizienz durch nicht verbrauchte Energie der Schlüssel zur Energiewende?

Ja, denn:
 
  1. Rund 40 % des Gesamtenergieverbrauches entfallen auf Gebäude. Davon rund 86 % für den Wärmebedarf. (Verkehr 30 %, Industrie/Gewerbe 30 %)
  2. Zielsetzung der Energiewende ist die Reduzierung des Energieverbrauches. Jeder Bereich muss seinen Beitrag leisten.
  3. Energieeinsparung durch Wärmedämmung ist der wichtigste Beitrag im Gebäudebereich (Gebäudehülle und Heiztechnik). Restbedarf durch Erneuerbare Energien.
  4. Nicht zu Dämmen heißt, die wichtigste Säule der Energiewende – die Reduzierung des Energiebedarfes - ersatzlos einzureißen.

Einzig verbleibender Schluss:
Nicht das Dämmen ist Wahnsinn, sondern darauf verzichten zu wollen.

FAQ: Warum spielt Styropor die erste Geige am Dämmstoffmarkt?

  1. EPS (besser bekannt als Styropor) hat einen Marktanteil von 32 %, Mineralwolle 54 %, andere Schaumstoffe zusammen 8 % und sonstige Dämmstoffe 6 %.
  2. An der Außenwand hat EPS durch seine Vorteile in der Bauphysik, Anwendungstechnik, Preis-/Leistungsverhältnis und Ökologie einen Marktanteil von über 80 % erobert. Im Steildach ist der Styropor-Anteil unter 1 %. Im Flachdach ist der Styropor-Anteil ca. 40 %, im Fußboden einschließlich Trittschalldämmung ca. 60 %.
     

FAQ: Wäre es nicht an der Zeit EPS zu verbieten?

  1. Formale Verbotsgründe treffen auf Styropor als zugelassener Baustoff nicht zu.
  2. Eine wissenschaftliche Studie der TU München belegt zweifelsfrei, dass EPS durch andere Dämmstoffe kurz- und mittelfristig nicht substituiert werden kann. Ein Verzicht auf EPS bedeutet Verzicht auf die notwendige Energieeinsparung im Gebäudebestand. EPS ist in Bezug auf Energiewende und Klimaschutz systemrelevant und unverzichtbar.
     

FAQ: Hat sich EPS den großen Marktanteil allein aus "Billigkeit erkauft"?

  1. Bei der Wärmedämmung steht die Funktionalität im Vordergrund. EPS hat gegenüber anderen Dämmstoffen Vorteile: es ist leicht, gut be- und verarbeitbar, hat hervorragende Dämmeigenschaften gepaart mit Stabilität und mechanischer Festigkeit, dauerbeständig, nicht verrottbar und wasserresistent.
  2. Gemäß den Kriterien für Umwelt-Produktdeklarationen ist EPS den meisten anderen Dämmstoffen überlegen.
  3. Das günstige Preis-/Leistungsverhältnis ist ein weiterer wesentlicher Vorzug. Es hilft die erforderlichen Dämmmaßnahmen leichter zu finanzieren und schneller zu amortisieren.
     

FAQ: Lässt sich durch gezielte Subventionspolitik das "Problem EPS" nicht auch politisch lösen?

  1. Subventionen fallen nicht vom Himmel, sie müssen gegenfinanziert werden. Statt „billig“ zu verteufeln, sollte man sich des „kostengünstigen“ erfreuen. Es gilt finanzielle Hemmnisse abzubauen. Dämmen mit EPS liefert dazu einen wesentlichen Beitrag.
  2. Gerade im Bereich der Fassadensanierung, eine der Hauptstoßrichtungen der energetischen Sanierung, hat EPS einen Marktanteil von über 80 %. Ein günstiges Preis-/Leistungsverhältnis ist ein Vorteil, aber nicht der marktentscheidende. Sonst wäre der marginale Marktanteil von EPS in der Steildachdämmung nicht erklärbar.

FAQ: Sollte man mehr auf nachwachsende Dämmstoffe setzen?

  1. Nachwachsende Dämmstoffe sind in der erforderlichen Menge nicht verfügbar.
  2. Nachwachsende Dämmstoffe erreichen nicht die hohe Dämmleistung von EPS.
  3. Das Preis-/Leistungsverhältnis nachwachsender Dämmstoffe ist wesentlich ungünstiger als bei EPS.
  4. Nachwachsende Dämmstoffe sind bei weitem nicht so ökologisch wie gerne behauptet.
     

FAQ: EPS ist erdölbasiert, eine äußerst beschränkte Ressource. Kann das zukunftsweisend sein?

  1. EPS wird, wie viele andere Kunststoffe auch, auf Basis von  Erdöl hergestellt. Ein Liter Erdöl, verwendet für die Herstellung von EPS-Dämmstoff an der Fassade, spart  über 50 Jahre rund 200 Liter Erdöl in Form von Heizöl ein.
  2. Der Verbrauch von Erdöl zur EPS-Herstellung wird bereits in einer Heizperiode weitaus überkompensiert.
  3. EPS-Dämmstoffe sind damit nachhaltig.
  4. Nur ca. 3 % des Erdölverbrauchs gehen in die Herstellung von Kunststoffen. Der überwiegende Anteil geht direkt in die thermische Verwertung.
     

FAQ: EPS ist brennbar. Wird das "EPS-eingepackte" Haus nun zur Brandfalle?

  1. Der Baustoff Styropor ist schwer entflammbar (B1 nach DIN 4102).
  2. Das Baurecht erlaubt mindestens normal entflammbare Baustoffe (B2 nach DIN 4102) (z.B. Holz im Dachstuhl, Treppe, Parkett).
  3. Die Landesbauordnungen zielen nicht darauf ab, brennbare Baustoffe zu verbieten. Das Schutzziel ist: Der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch ist vorzubeugen, und die Rettung von Menschen und Tieren muss möglich sein.
  4. Zugelassene WDV-Systeme mit EPS sind im Gesamtsystem  schwer entflammbar.
  5. WDV-Systeme mit EPS sind sicher, wenn innerhalb eines Gebäudes ein Brand ausbricht, auch wenn er auf die Fassade überschlägt. Die Bauministerkonferenz der Länder hat dies 2013 und 2014 ausdrücklich festgestellt.
  6. Weniger als 0,1 Promille aller jährlichen Brände (ca. 180.000 bis 190.001)) sind Brände, an denen WDVS mit EPS beteiligt ist.
  7. Ursachen dieser Brände mit WDVS sind in der Regel grobe Fahrlässigkeit, Brandstiftung oder höhere Gewalt.
  8. Schwer entflammbares EPS kann nicht durch Kleinigkeiten wie weggeworfene Zigaretten, Bengalos, Silvesterraketen entzündet werden.
     

1) Es existiert leider keine offizielle Statistik zu Haus- oder Wohnungsbränden, obwohl der IVH eine solche seit langer Zeit immer wieder anregt. Unabhängig davon zeigen die verfügbaren Zahlen kein erhöhtes Brandrisiko durch den Dämmstoff Styropor.


FAQ: Jährlich werden ca. 4,5 Mio. Kubikmeter EPS an der Fassade verbaut. Ist die Recyclingfrage gelöst?

  1. Die komplette jährliche Abfallmenge inklusive Erdaushub beläuft sich auf rund 373.000.000 Tonnen.
  2. Der Anteil von EPS-Abfall aus WDVS beträgt dabei rund 1.000 Tonnen. Das ist ohne Zweifel auch zukünftig beherrschbar. Riesige Müllberge aus EPS sind und bleiben Illusion.
  3. Bei dem EPS-Abfall handelt es sich um einen Wertstoff.
  4. Der heute gängige Weg zur Verwertung dieses Wertstoffes besteht in der thermischen Verwertung in konventionellen Müllheizkraftwerken. Dabei wird der energetische Inhalt von EPS nahezu vollständig zurückgewonnen und kann zur Wärme- und Energieerzeugung genutzt werden.
  5. Man kann 1 Liter Erdöl in Form von Heizöl zur Wärme- und Energieerzeugung verbrennen. Andererseits kann man aber auch 1 Liter Erdöl zur Herstellung von EPS-Dämmstoffen nutzen. Damit kann in 50 Jahren 200 Liter Erdöl in Form von Heizöl einspart werden und nach 50 Jahren der energetische Inhalt von 1 Liter Erdöl nahezu vollständig in Müllheizkraftwerken zur Wärme- und Energieerzeugung genutzt werden. Erdöl wird damit in einer Zwischennutzungsphase zur Reduzierung des Energieverbrauchs genutzt und in der Nachnutzungsphase zur Wärme- und Energieerzeugung. Dieser Umweg des Erdöls über EPS ist damit vielschichtig sinnvoll und nachhaltig.
  6. EPS-Wertstoff ist ebenso wie Erdöl zum Verbrennen zu schade. Optimal wäre die stoffliche Verwertung in einer Nachnutzungsphase. Die Industrie beschäftigt sich von daher in der Forschung mit Möglichkeiten der wirtschaftlich vertretbaren stofflichen Verwertung von EPS-Wertstoff. Prinzipielle Verfahrenswege sind bereits aufgezeichnet, aber wirtschaftlich noch nicht vertretbar. Die Industrie forscht an technologischen Wegen zur wertstofflichen Verwertung mit einem wirtschaftlich vertretbaren Kosten-/Nutzenverhältnis. Damit könnte eine noch sinnvollere und ressourcenschonendere Nachnutzungsphase von EPS-Dämmstoffen erreicht werden.
     

FAQ: EPS enthält halogenierte Flammschutzmittel. Eine Gefahr für Mensch und Umwelt?

  1. Die Entflammbarkeit von EPS muss durch die Zugabe von Flammschutzmitteln reduziert werden, um die Brandschutzziele sicher zu erreichen. Aus EPS, das von Natur her leicht entflammbar ist, wird ein schwer entflammbarer Dämmstoff.
  2. Das Flammschutzmittel ist fest in das Polymergerüst des Dämmstoffes eingebettet (inkorporiert). Es verbleibt dauerhaft im Dämmstoff, d. h. es tritt nicht aus und wird auch nicht ausgewaschen.
  3. Der Dämmstoff und ebenso seine Abfälle sind ökologisch unschädlich und nicht gefährlich.
  4. Bei der thermischen Verwertung des EPS-Wertstoffes wird das Flammschutzmittel vollständig zerstört, ohne dass dabei giftige Rauchgasprodukte wie z. B. Dioxine oder halogenierte Furane entstehen. Das wurde aktuell durch Großversuche in konventionellen Müllheizkraftwerken belegt. Eine thermische Verwertung in konventionellen Müllheizkraftwerken ist damit ohne Sonderauflagen auch zukünftig gegeben.
     

FAQ: Als Flammschutzmittel wurde bisher Hexabromcyclododecan (HBCD) verwendet. Wird EPS dadurch gefährlich?

Nach REACH-Verordnung und nach den Festlegungen der Stockholmer Konvention (POP-Verordnung nach UNEP) ist HBCD in die Verbotsliste aufgenommen. Wie ist HBCD zu bewerten?
  1. Über Jahrzehnte hat sich HBCD bestens bewährt.
  2. Eine Risikoanalyse, die 2008 als Schlussbericht vorlag, hat ergeben, dass HBCD als PBT-Stoff (P = persistent, B = bioakkumulierbar, T = toxisch) einzustufen ist.
  3. Die PBT-Eigenschaft von HBCD bezieht sich auf den reinen isolierten Stoff. Die Risikoanalyse zu HBCD hat ebenso dargelegt, dass HBCD in EPS-Dämmstoffen fest in das Polymergerüst eingebettet ist. Die PBT-Eigenschaft des HBCD wird damit nicht auf den EPS-Dämmstoff übertragen.
     

FAQ: Wenn HBCD verboten wird, gibt es dazu Alternativen?

  1. Der Industrie ist es gelungen, einen in seiner Wirkung adäquaten Ersatzstoff (Polymer-FR) zu entwickeln, der für  Mensch und Umwelt als ungefährlich eingestuft ist.
  2. Ziel der im Industrieverband Hartschaum vereinten EPS-Hersteller ist es, HBCD bereits Mitte 2014, also ein Jahr vor dem Verbotstermin, vollständig durch das neue Flammschutzmittel zu ersetzen.
  3. Die bekannten guten technischen Eigenschaften des EPS-Dämmstoffes bleiben erhalten. Dieses wurde in einem umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungsprogramm belegt.

FAQ: Die Energiekosten steigen und steigen? ein Ende ist nicht in Sicht. Nun verspricht die Industrie Heizkostenersparnis durch Dämmen. Aber auch Dämmen kostet! Wird hier der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben?

  1. Gebäude sind auf lange Nutzungsphasen, auch über Generationen hinaus, ausgelegt. Gebäude zu erhalten erfordert unweigerlich regelmäßig wiederkehrende Sanierungsmaßnahmen, um zumindest den Wert und die Funktion zu erhalten.
  2. Diese Maßnahmen sind mit Kosten (sogenannte Ohnehin-Kosten) verbunden, die unabhängig von einer Dämmmaßnahme entstehen bzw. anfallen.
     

FAQ: Warum fordert die Gesetzgebung in Form der EnEV die gewöhnliche Sanierung mit der energetischen Sanierung zu verbinden?

  1. Der durchschnittliche Energiebedarf in 39 Mio. Wohnungen in Deutschland beträgt ca. 23 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr.
  2. Nach geltenden Bauregeln ist für Neubauten der Energiebedarf auf maximal 7 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr festgelegt.
  3. Die Notwendigkeit der energetischen Modernisierung von Bestandsgebäuden und das mögliche Einsparpotential wird dadurch verdeutlicht. Dieser Zusammenhang wurde von der Politik frühzeitig erkannt und zur Grundlage der Energiewende gemacht.
  4. Was sagt die Wissenschaft: Würde man das o. g. entsprechend dem Stand der Technik umsetzen, würde  man 357 Terrawattstunden (TWh) Endenergie einsparen. Allein auf die Gebäudedämmung entfiele rund die Hälfte (177 TWh). Durch Wärmedämmung könnte mehr Endenergie eingespart werden, als derzeit erneuerbare Energien erzeugen. Das ist zudem beinahe doppelt soviel Energie wie alle deutschen Atomkraftwerke 2012 produzierten. Diese Zahlen zeigen, dass die Energiewende nur gelingen kann, wenn die Energieeffizienz im Gebäudebereich durch Dämmung weiter verbessert wird.
  5. Die Industrie stellt die dafür notwendigen Dämmstoffe und Techniken bereit.
     

FAQ: Was sagen Schlagzeilen wie "der Staat greift den Hausbesitzern in die Tasche" aus?

  1. Durch staatliche Gebote und Verbote versucht der Staat, die Bürger zu entsprechenden Aktivitäten zu bewegen, die unmittelbar der Umwelt, der Ressourcenschonung und der Gesellschaft und damit jedem einzelnen Bürger nutzen.
  2. Die MEHRKOSTEN für die energetischen Maßnahmen (nicht die komplette Gebäudesanierung, die ohnehin nach bestimmten Zyklen nötig ist) lassen sich über die Energieeinsparung refinanzieren. Das zeigen hunderte Praxisbeispiele der dena (Amortisation).
  3. Die energetische Gebäudesanierung lohnt sich, wenn die energetischen Maßnahmen mit ohnehin anstehenden Modernisierungs- und Instandhaltungsarbeiten gekoppelt werden und die Nutzungsdauer berücksichtigt wird (Wirtschaftlichkeit).
  4. Der Staat unterstützt sogar auf kommunaler, Länder- und Bundesebene durch Investitionszuschüsse und Fördermittel.
     
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