Recycling von EPS-Hartschaum: Kreislaufwirtschaft im Blick

Die IVH-Mitglieder sind sich ihrer ökologischen Verantwortung bewusst: Seit vielen Jahren agieren sie nach einem bewährten Verfahren und nehmen EPS-Dämmmaterial, das bei der Montage auf Baustellen anfällt, wieder zurück. Zusammen mit Produktionsresten wird der Verschnitt zunächst auf Korngröße zerkleinert und zu sogenannten Rezyklatplatten verarbeitet, die später zu Formteilplatten weiterverarbeitet werden. Diese können etwa als Grundmauerschutz- oder Drainageplatten sowie als Dämmung für die oberste Geschossdecke eingesetzt werden können – ein zusätzlich erschlossenes Anwendungsgebiet ausschließlich für den Einsatz von Recyclingmaterial. In gemahlener Form werden die EPS-Reste als Leichtzuschlag für Mörtel, Putz oder Beton verwendet.

Rückgebaute, alte EPS-Dämmstoffe, die vor 2015 hergestellt wurden, werden nicht recycelt. Sie werden wie die meisten anderen Alt-Dämmstoffe einer energetischen Verwertung zugeführt, die wiederum wertvolle Heizenergie (z.B. Fernwärme) erzeugt.

Ab 2021 kann aber auch Alt-EPS recycelt werden. Hierzu wird aktuell eine erste Industrieanlage in den Niederlanden errichtet (Projekt PolyStyreneLoop). Die dort angewendete Technik basiert auf dem vom deutschen Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung entwickelten CreaSolv®-Verfahren. Mit diesem kann aus Alt-, aber aus Neu-EPS-Abfällen, angefallen bei Abbruch- oder Umbaumaßnahmen, der Grundstoff Polystyrol wiedergewonnen werden. Darüber hinaus kann schon heute Abfall aus Neu-EPS über verschiedene Wege recycelt werden.

Eine vergleichbare geschlossene Kreislaufwirtschaft ist für andere Dämmstoffe bisher nicht in der Sicht oder nur vereinzelt vorhanden. Im Gegenteil, zahlreiche andere Dämmstoffe landen nach ihrer Nutzungsphase auf der Deponie.

zum Projekt PolyStyreneLoop

Die Rücknahme von sauberen Baustellen-Verschnittresten wird seit über 30 Jahren systematisch bei allen EPS-Herstellern des IVH grundsätzlich gleich erfolgreich praktiziert.
Ablauf des Systems:
1. Bauvorhabenbezogene privatrechtliche Vereinbarung zwischen EPS-Hersteller und Kunde (Bauherr, Handwerksunternehmen) über Rückführung von sauberen Baustellen-Verschnittresten
2. Sammlung von EPS-Verschnittmaterial in Säcken auf der Baustelle
3. Transport (Anlieferung oder Abholung) der Verschnittmaterial-Säcke zum EPS-Hersteller
4. Optische Qualitätsprüfung des Verschnittmaterials (Sauberkeit, Sortenreinheit und Herstellwerk-Identifizierung). Eventuell zusätzliche Überprüfung auf zulässige Recycle-Fähigkeit (Flammschutzmittel-Schnelltest)
5. Schreddern des Baustellen-Verschnittmaterials, Trennung nach entsprechenden Sieblinien (Körnung) in Abhängigkeit des späteren herzustellenden Recycling-Produkts (Recycling-Schüttung oder Recycling-Platte).
6. Weiterverarbeitung im EPS-Werk oder in einem Recycling-Unternehmen zum Recycling-Produkt