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Industrieverband Hartschaum e.V.
Umwelt
Umwelt Auf einen Blick - Entsorgung von EPS mit HBCD

Neue Aktionsgemeinschaft: Verlässliche Entsorgungswege für HBCD-haltige Dämmstoffabfälle schaffen - Presseinformation

AG EHDA Teilnehmer

Verbände aus Handwerk, Fachhandel, Bau-, Dämmstoff-, Entsorgungs-, und Kunststoffbranche plädieren dafür, HBCD-haltige Dämmstoffabfälle wieder als „nicht gefährlichen Abfall“ einzustufen

Frankfurt, 19.4. 2017. Zahlreiche Verbände aus Handwerk, Bau-, Dämmstoff-, Entsorgungs- und Kunststoffbranche haben Ende März in Frankfurt die Aktionsgemeinschaft „AG EHDA“ gegründet, um sich für eine verlässliche Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoffabfällen zu engagieren. Sie wollen durch eine sichere Verwertung das Flammschutzmittel HBCD aus dem Stoffkreislauf ausschleusen und so weiteren Imageschaden für das Thema Dämmung, den Klimaschutz und die Branche insgesamt vermeiden.

Die AG-Mitglieder sprechen sich in einem Positionspapier dafür aus, HBCD-haltige Dämmstoffabfälle wieder als „nicht gefährlichen Abfall“ einzustufen, wie es bis Ende September 2016 der Fall war. Sie begrüßen das Engagement der Bundesländer und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit bis zum Ablauf des aktuellen Moratoriums eine deutschlandweit einheitliche, praxistaugliche Lösung zur Entsorgung solcher Abfälle zu erarbeiten. Die in der AG EHDA vertretenen Verbände und Unternehmen bieten der Politik ihre Unterstützung bei der Erarbeitung einer Lösung an. Aus Sicht der Aktionsgemeinschaft sollte sich diese Lösung an europarechtlichen Vorgaben orientieren und eine reibungslose Entsorgung gewährleisten.

Die AG betont, dass die energetische Verwertung HBCD-haltiger Dämmstoffabfälle in thermischen Abfallbehandlungsanlagen und gemischt mit anderen Abfällen einerseits ein jahrzehntelang bewährter, für Mensch und Umwelt sicherer und zudem wirtschaftlicher Prozess ist. Andererseits haben die akuten Entsorgungsengpässe im Herbst 2016 gezeigt, dass die Einstufung von HBCD-haltigen Dämmstoffabfällen als „gefährlicher Abfall“ nicht wie geplant zu einer besseren Nachverfolgung und Ausschleusung des als POP-Stoff klassifizierten HBCD führt. Stattdessen wurde ein etablierter Entsorgungsweg zum Erliegen gebracht.

Durch die Rückkehr zur alten Verfahrensweise aus der Zeit vor dem 30.9.2016, gegebenenfalls ergänzt durch eine angepasste Dokumentationspflicht, könnten etablierte Wege der Ausschleusung und Zerstörung des POP-Stoffs HBCD wieder genutzt werden. Zur Zeit gibt es noch keine alternativen Verwertungsverfahren im Markt. Die AG EHDA sieht sich auch als Plattform, weitere Ansätze für zukünftige Entsorgungswege zu entwickeln.

Über die Aktionsgemeinschaft

Die Aktionsgemeinschaft für eine sichere und fachgerechte Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoff-Abfällen (AG EHDA) besteht aus 17 Unternehmen und Verbänden aus Handwerk, Fachhandel, Bau-, Dämmstoff-, Entsorgungs-, und Kunststoffbranche. Die Beteiligten treten für eine sichere, umweltverträgliche, dauerhafte, praxistaugliche und wirtschaftliche Lösung für die Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoffabfällen ein. Sie engagieren sich für einen fachlichen Austausch mit politischen Entscheidungsträgern und bieten für die künftige Umsetzung ihre Gesprächsbereitschaft und Unterstützung an. Das Positionspapier der Aktionsgemeinschaft und Informationen zu den Mitgliedern sowie weitere Studien und Materialien stehen unter www.Entsorgung-HBCD.de oder www.agehda.de zur Verfügung.

Kontakt:

Stefanie Mohmeyer, Tel: 0 62 21 / 77 60 71, info@agehda.dewww.agehda.de

 

 

HBCD-haltige EPS-Abfälle müssen bis Ende 2017 nicht als gefährliche Abfälle entsorgt werden.

Das Bundeskabinett hat am 21. Dezember 2016 dem Bundesratsbeschluss für ein einjähriges Moratorium bei der Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmplatten zugestimmt. Damit sollen vor allem Entsorger ein Jahr Zeit zur Umstellung erhalten. Die seit Oktober angefallenen Dämmstoffe können somit wie gewohnt verwertet werden.

Mit der Änderung der Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) vom 27.12.2016 (BGBl. I, S. 3074), die seit dem 28.12.2016 gültig ist, sind die seit dem 01.10.2016 geltenden Einstufungsregeln für HBCD-haltige Abfälle bis Ende 2017 ausgesetzt worden.

Konkret bedeutet dies, dass diese Abfälle bis Ende 2017 nicht mehr als gefährliche Abfälle entsorgt werden müssen.

HBCD kann in Müllverbrennungsanlagen, die die üblichen Sicherheits- und Umweltanforderungen einhalten, entsprechender den Vorgaben aus der EU Verordnung über persistente organische Schadstoffe (POP), komplett unschädlich gemacht werden. HBCD-haltige Dämmstoffe aus Polystyrol werden damit bei Abbrucharbeiten wie gängiger Bauabfall als „nicht gefährlicher” Abfall eingestuft. Die Abfallschlüsselnummer für polystyrolhaltige Baumischabfälle ist 17 09 04 „Gemischte Bau- und Abbruchabfälle“. 

Entsorgung von EPS mit dem Flammschutzmittel HBCD aus dem Rückbau oder der Sanierung

Abrissarbeiter

Seit Ende 2014 produzieren die Mitgliedsfirmen des Industrieverbands Hartschaum ausschließlich Styropor/Dämmstoffe aus expandiertem Polystyrol (EPS) mit dem neuen Flammschutzmittel Polymer-FR.

Über die europäische POP-Verordnung zur Umsetzung der UNEP Stockholm/Basel Konvention ist der Einsatz des Flammschutzmittels Hexabromcyclododecan (HBCD) in Europa seit dem 22. März 2016 verboten. Ab dem 30.09.2016 werden Abfälle mit einem POP-Stoff-Gehalt größer 1000 ppm, aufgrund einer Änderung in der Abfallverzeichnis- Verordnung, nach einem Bundesratsbeschluss vom 25.09.2015, als „gefährlicher Abfall“ eingestuft. Zu diesem Zeitpunkt sind Polystyrol-Schaumstoff-Platten, die HBCD enthalten, also wie gefährlicher Abfall zu behandeln. Dämmstoffe mit dem neuen Flammschutzmittel „Polymer-FR“ (und somit auch die jetzigen EPS-Dämmstoffe der IVH-Mitglieder) sind von der Gefährlichkeitseinstufung nicht betroffen und können bei selektivem Rückbau bis zu 100% recycelt oder energetisch verwertet werden.

Bauabbruchabfälle, die noch das alte Flammschutzmittel HBCD enthalten und somit EPS-Platten, die vor 2015 verbaut wurden, können auch nach der neuen Einstufung in Müllverbrennungsanlagen, die über eine entsprechende Genehmigung verfügen, energetisch verwertet werden. Durch die energetische Verwertung wird sichergestellt, dass HBCD, wie von den Behörden gefordert, sicher aus dem Material- und Stoffkreislauf ausgeschleust und zerstört wird.

Obwohl einer Entsorgung von HBCD-haltigen Abfällen in Müllverbrennungsanlagen (gem. einer wissenschaftlichen Untersuchung im MHKW Würzburg von 2013) nichts im Wege steht, bestehen derzeit Entsorgungsengpässe, da verschiedene Anlagenbetreiber diese Abfälle nicht annehmen. Der IVH empfiehlt daher Abfallbesitzern sich mit den zuständigen Landesbehörden, zum Beispiel den Umweltministerien, in Verbindung zu setzen, um sich zugelassene Abfallentsorgungswege aufzeigen zu lassen.

Beim Rückbau der Gebäude ist keine persönliche Arbeitsschutzausrüstung notwendig, da ein direkter Kontakt mit HBCD ausgeschlossen werden kann. HBCD ist fest in der Polymermatrix eingebunden und kann weder ausgewaschen werden noch mechanisch (z.B. durch Abrieb) austreten. Ein Kontakt mit Menschen oder der Umwelt ist daher ausgeschlossen. 

 

Unterscheidung HBCD-haltiges EPS und EPS mit Polymer-FR

Abriss WDVS

Seit Ende 2014 produzieren die IVH-Mitglieder ausschließlich EPS-Dämmstoffe mit dem Flammschutzmittel Polymer-FR. Dämmstoffe mit dem Flammschutzmittel Polymer-FR verfügen über verbesserte Umwelteigenschaften und werden nicht als gefährlicher Abfall eingestuft. Um für alle Beteiligten eine praktikable und einfache Unterscheidungsmöglichkeit zwischen HBCD-haltigen EPS-Dämmstoffen und EPS mit Polymer-FR zu bieten, könnten die folgenden Maßnahmen aus Sicht des IVH die Trennung erleichtern:


- Kopie der Leistungserklärung bei Abgabe der EPS-Abfälle mit Polymer-FR

- Kennzeichnung der Platten mit Rollstempelaufdruck: „Kein HBCD / Enthält Polymer-FR“

- Farbige EPS-Perlen in den Dämmstoffplatten, die eine schnelle visuelle Unterscheidung ermöglichen


Der IVH wird auch die Betreiber der Müllheizkraftwerke und Entsorgungsbetriebe über Möglichkeiten zur leichteren Unterscheidung informieren.

Anhang:

IVH-Kundeninformation vom 16.09.2016
Industrieverband Hartschaum e. V. (IVH) - Maaßstraße 32-1- 69123 Heidelberg
fon 0 62 21 - 77 60 71 - fax 0 62 21 - 77 51 06 - Email: info@ivh.de
19.04.2017
AG EHDA-Positionspapier Entsorgung HBCD-haltiger Dämmstoff-Abfälle
Die in der Aktionsgemeinschaft „Sichere und fachgerechte Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoff-Abfällen“ (AG EHDA) vertretenen Verbände und Unternehmen begrüßen das 12-monatige Moratorium und Bestreben der Bundesländer und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit eine einheitliche, praxistaugliche Lösung zur Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoffabfällen zu erarbeiten. Die AG EHDA bietet den politischen Entscheidungsträgern für die Lösungsfindung ihre Gesprächsbereitschaft und Unterstützung an.
16.12.2016
Bundesrates: Entwurf einer Verordnung zur Änderung der Abfallverzeichnis-Verordnung
Der Bundesrat hat am 16. Dezember 2016 einen Verordnungsentwurf zur Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoffabfällen beschlossen. Er reagiert damit auf die derzeit bestehenden akuten Probleme bei der Verbrennung von alten Dämmplatten ...
25.11.2016
Bau- und Abbruchabfälle: Polystyrol-Dämmmaterialien - Entsorgung von HBCD-haltigen Abfällen und Abfallgemischen
Fachartikel von Rechtsanwalt Gregor Franßen, EMLE (Madrid), und Rechtsanwalt Moritz Grunow Wohin mit Dach- und Gebäudedämmung aus Styropor / Polystyrol, nachdem sie ausgedient hat? Die Beantwortung dieser Frage führt seit Anfang Oktober 2016 dann zu Problemen bei Handwerkern, Baubetrieben und Entsorgern, wenn die Dämmstoffe mit dem Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) behandelt worden sind. Denn infolge einer geänderten abfallrechtlichen Einstufung von HBCD-haltigen Dämmstoffen als „gefährlicher Abfall“ können Betroffene, die Dämmplatten im Gemisch mit anderen Bauabfällen entsorgen wollen, nicht mehr ohne weiteres die gewohnten Entsorgungswege nutzen.
27.10.2016
Presseinformation: Aktueller Sachstand Entsorgung von HBCD-haltigem EPS vom 27.10.2016
IVH informiert Handwerker, Planer und Hausbesitzer über aktuellen Sachstand zur Entsorgung von EPS mit HBCD
EPS-Hersteller fordern Änderungen
Die Gefährlichkeitseinstufung gilt nicht für neuere EPS-Dämmstoffe, die beispielsweise seit Anfang 2015 verbaut wurden und heute Standard auf allen Baustellen sind, die Dämmmaßnahmen mit EPS ausführen.
IVH-Mitglieder produzieren seit Ende 2014 / Anfang 2015 HBCD-freies EPS
Die Umstellung auf das neu entwickelte Additiv Polymer-FR wurde von den IVH-Mitgliedern in 2014 begonnen und Anfang 2015 abgeschlossen – und damit weit über ein Jahr früher als vom Gesetzgeber festgelegt. Untersuchungen nach Testkäufen am Markt, in Auf
Kennzeichnung des neuen EPS ohne HBCD
Vor 2014 verbauter EPS-Dämmstoff enthält das alte Flammschutzmittel HBCD. Hersteller bzw. Händler müssen über die Verwendung des Stoffes Auskunft geben. Über ein Online-Formular des Umweltbundesamtes kann der Hersteller, Händler oder Importeur hier einfac
Forderungen zeigen Wirkung - Erlasse und Hinweise, Stand 21.11.2016
Der IVH arbeitet zur Zeit an der Sammlung der Regelungen in anderen Bundesländern. Sobald uns weitere Informationen vorliegen, werden diese hier laufend ergänzt ...
Rechtsicherheit ist erforderlich
Aus der Antwort Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage im Bundestag ging im Februar 2015 noch klar hervor: Die Bundesregierung hält die Einstufung von gebrauchten HBCD-Platten als gefährlichen Abfall nicht für sinnvoll und erforderlich.
Keine Gefahr auf der Baustelle
HBCD-haltige Dämmplatten aus EPS sind sowohl beim Abbruch, als auch beim Transport umwelt- und arbeitsschutzrechtlich unbedenklich.
Das sind die Abfallmengen, um die es geht!
Riesige Müllberge aus EPS sind und bleiben Illusion.
Verwertungsverfahren
Bis 2018 soll eine erste Solvolyse-Pilotanlage in Betrieb gehen. Das CreaSolv®-Verfahren ermöglicht die Trennung von HBCD und EPS. Über eine stoffliche Verwertung kann dann der EPS-Ausgangsstoff Polystyrol gewonnen werden.
HBCD - Dieser heute nicht mehr eingesetzte Stoff führte zur neuen Abfalleinstufung für altes EPS
Die Risikoanalyse zu HBCD hat dargelegt, dass HBCD in EPS-Dämmstoffen fest in das Polymergerüst eingebettet ist. Die PBT-Eigenschaft des HBCD wird damit nicht auf den EPS-Dämmstoff übertragen. ...