Vorabkritik zum ARD-Krimi Tatort Fackel am 22. März 2026: Fachlich falsches Brand-Narrativ mit realem Grenfell-Bezug – Branche widerspricht
20. März 2026
Der am kommenden Sonntag (22.03.2026) ausgestrahlte Tatort „Fackel“ erzählt laut eigener Ankündigung von einem „verheerenden Hochhausbrand (…) infolge billiger Dämmmaterialien“ sowie von einem „Geschäftsführer eines Baustoffkonzerns mit engen politischen Verbindungen“. Regisseur Rick Ostermann verweist darauf, dass sich die Handlung konkret am Brand des Grenfell Tower orientiert. Um dem Film zusätzliche gesellschaftliche Relevanz zu verleihen, greift er bewusst auf reale Hintergründe zurück – und verlässt damit den Bereich reiner Fiktion.
Serena Klein, Geschäftsführerin des Industrieverbandes Hartschaum (IVH), dem Verband der deutschen Hersteller von Wärmedämmung aus expandiertem Polystyrol-Hartschaum (EPS), erklärt dazu:
„Die Tatort-Episode „Fackel“ erzählt ein baufachliches Zerrbild. Sie stellt einen Zusammenhang zwischen einzelnen Baustoffen und Gebäudebränden her, der fachlich nicht belastbar ist und der Realität nicht entspricht. Tatsächlich entstehen Brände nicht isoliert durch Baumaterialien, sondern durch Fehler im Gesamtsystem – etwa in Planung, Ausführung oder Kontrolle.
Der Abschlussbericht zum Grenfell Tower[1] hat dies eindeutig belegt: Er stellt fest, dass der Brand durch einen defekten Kühlschrank ausgelöst wurde. Die fatale Brandgeschwindigkeit wurde durch fälschlicherweise an der Fassade eingebaute, brennbare Aluminium-Verbundplatten mit Polyethylenkern begünstigt. Insgesamt führten aber Konstruktionsmängel, unzureichender Brandschutz sowie systemisches Versagen bei Planung, Regulierung und Kontrolle dazu, dass sich das Feuer ungehindert über die Fassade und zurück ins Gebäude ausbreiten konnte.
Am Grenfell Tower kam kein Polystyrol-Dämmstoff an der Fassade zum Einsatz. Der Tatort „Fackel“ leistet daher einen Beitrag zur Mythenbildung.
Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, die Diskussion faktenbasiert zu führen. In Deutschland unterliegen insbesondere Hochhäuser strengen bauordnungsrechtlichen Anforderungen. Materialien und Fassadensysteme werden umfassend geprüft und entsprechend den geltenden Brandschutzvorschriften. Für Hochhäuser gilt die Muster-Hochhaus-Richtlinie (MHHR)[2]: Brände wie bei Grenfell können so nach unserer Ansicht in Deutschland nicht vorkommen, da wir ein anderes Regelwerk haben: In Deutschland werden ausschließlich vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) bauaufsichtlich zugelassene Systeme für den Hochhausbereich verwendet.
Fiktionale Darstellungen tragen zur öffentlichen Meinungsbildung bei. Umso wichtiger ist es, dass sie nicht zu Fehlinterpretationen über reale Bauweisen und deren Sicherheitsstandards führen. Dämmstoffe als Teil einer energieeffiziente Gebäudehülle sind ein zentraler Bestandteil moderner Bau- und Sanierungskonzepte und leisten einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des Energieverbrauchs und zum Klimaschutz.“
Wenn – wie im Tatort – ein unzutreffender Zusammenhang mit EPS-Dämmstoffen hergestellt wird, fördert das nicht nur eine verzerrte öffentliche Wahrnehmung, sondern führt auch zu einer allgemeinen Verunsicherung beim Einsatz von Wärmedämmstoffen.
[1] GRENFELL TOWER INQUIRY: PHASE 2 REPORT of the PUBLIC INQUIRY into the FIRE at GRENFELL TOWER on 14 JUNE 2017
Der Abschlussbericht wird „Phase 2 Report“ genannt, weil die Untersuchung zum Brand des Grenfell Tower bewusst in zwei Phasen aufgeteilt wurde:Phase 1 (2019): Untersuchte vor allem den Brandverlauf in der Nacht selbst, also wie sich das Feuer ausbreitete, wie die Feuerwehr reagierte und warum so viele Menschen ums Leben kamen.Der Phase 2 (2024)-Report ist der eigentliche Abschlussbericht. Er analysierte die tieferliegenden Ursachen der Katastrophe, darunter das Fassadensystem, Bauentscheidungen, beteiligte Unternehmen, Vorschriften und das Versagen von Kontrolle und Regulierung.https://webarchive.nationalarchives.gov.uk/ukgwa/20250320032754/https://www.grenfelltowerinquiry.org.uk/phase-2-report
[2] Die Bauministerkonferenz ist die Arbeitsgemeinschaft der für Städtebau, Bau- und Wohnungswesen zuständigen Minister und Senatoren (ARGEBAU) der 16 Länder der Bundesrepublik. Sie erarbeitet Musterregelwerke wie die Muster-Hochhaus-Richtlinie, die von den einzelnen Bundesländern als Grundlage für ihre Bauordnungen genommen werden. https://www.is-argebau.de/suchen.aspx?id=991&o=759O986O991&s=hochhaus
Pressemitteilung als PDF zum Download:
Der am kommenden Sonntag (22.03.2026) ausgestrahlte Tatort „Fackel“ erzählt laut eigener Ankündigung von einem „verheerenden Hochhausbrand (…) infolge billiger Dämmmaterialien“ sowie von einem „Geschäftsführer eines Baustoffkonzerns mit engen politischen Verbindungen“. Regisseur Rick Ostermann verweist darauf, dass sich die Handlung konkret am Brand des Grenfell Tower orientiert. Um dem Film zusätzliche gesellschaftliche Relevanz zu verleihen, greift er bewusst auf reale Hintergründe zurück – und verlässt damit den Bereich reiner Fiktion.
Serena Klein, Geschäftsführerin des Industrieverbandes Hartschaum (IVH), dem Verband der deutschen Hersteller von Wärmedämmung aus expandiertem Polystyrol-Hartschaum (EPS), erklärt dazu:
„Die Tatort-Episode „Fackel“ erzählt ein baufachliches Zerrbild. Sie stellt einen Zusammenhang zwischen einzelnen Baustoffen und Gebäudebränden her, der fachlich nicht belastbar ist und der Realität nicht entspricht. Tatsächlich entstehen Brände nicht isoliert durch Baumaterialien, sondern durch Fehler im Gesamtsystem – etwa in Planung, Ausführung oder Kontrolle.
Der Abschlussbericht zum Grenfell Tower[1] hat dies eindeutig belegt: Er stellt fest, dass der Brand durch einen defekten Kühlschrank ausgelöst wurde. Die fatale Brandgeschwindigkeit wurde durch fälschlicherweise an der Fassade eingebaute, brennbare Aluminium-Verbundplatten mit Polyethylenkern begünstigt. Insgesamt führten aber Konstruktionsmängel, unzureichender Brandschutz sowie systemisches Versagen bei Planung, Regulierung und Kontrolle dazu, dass sich das Feuer ungehindert über die Fassade und zurück ins Gebäude ausbreiten konnte.
Am Grenfell Tower kam kein Polystyrol-Dämmstoff an der Fassade zum Einsatz. Der Tatort „Fackel“ leistet daher einen Beitrag zur Mythenbildung.
Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, die Diskussion faktenbasiert zu führen. In Deutschland unterliegen insbesondere Hochhäuser strengen bauordnungsrechtlichen Anforderungen. Materialien und Fassadensysteme werden umfassend geprüft und entsprechend den geltenden Brandschutzvorschriften. Für Hochhäuser gilt die Muster-Hochhaus-Richtlinie (MHHR)[2]: Brände wie bei Grenfell können so nach unserer Ansicht in Deutschland nicht vorkommen, da wir ein anderes Regelwerk haben: In Deutschland werden ausschließlich vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) bauaufsichtlich zugelassene Systeme für den Hochhausbereich verwendet.
Fiktionale Darstellungen tragen zur öffentlichen Meinungsbildung bei. Umso wichtiger ist es, dass sie nicht zu Fehlinterpretationen über reale Bauweisen und deren Sicherheitsstandards führen. Dämmstoffe als Teil einer energieeffiziente Gebäudehülle sind ein zentraler Bestandteil moderner Bau- und Sanierungskonzepte und leisten einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des Energieverbrauchs und zum Klimaschutz.“
Wenn – wie im Tatort – ein unzutreffender Zusammenhang mit EPS-Dämmstoffen hergestellt wird, fördert das nicht nur eine verzerrte öffentliche Wahrnehmung, sondern führt auch zu einer allgemeinen Verunsicherung beim Einsatz von Wärmedämmstoffen.
[1] GRENFELL TOWER INQUIRY: PHASE 2 REPORT of the PUBLIC INQUIRY into the FIRE at GRENFELL TOWER on 14 JUNE 2017
Der Abschlussbericht wird „Phase 2 Report“ genannt, weil die Untersuchung zum Brand des Grenfell Tower bewusst in zwei Phasen aufgeteilt wurde:Phase 1 (2019): Untersuchte vor allem den Brandverlauf in der Nacht selbst, also wie sich das Feuer ausbreitete, wie die Feuerwehr reagierte und warum so viele Menschen ums Leben kamen.Der Phase 2 (2024)-Report ist der eigentliche Abschlussbericht. Er analysierte die tieferliegenden Ursachen der Katastrophe, darunter das Fassadensystem, Bauentscheidungen, beteiligte Unternehmen, Vorschriften und das Versagen von Kontrolle und Regulierung.https://webarchive.nationalarchives.gov.uk/ukgwa/20250320032754/https://www.grenfelltowerinquiry.org.uk/phase-2-report
[2] Die Bauministerkonferenz ist die Arbeitsgemeinschaft der für Städtebau, Bau- und Wohnungswesen zuständigen Minister und Senatoren (ARGEBAU) der 16 Länder der Bundesrepublik. Sie erarbeitet Musterregelwerke wie die Muster-Hochhaus-Richtlinie, die von den einzelnen Bundesländern als Grundlage für ihre Bauordnungen genommen werden. https://www.is-argebau.de/suchen.aspx?id=991&o=759O986O991&s=hochhaus
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